„Bad“ - Piano Interpretation eines Pop-Klassikers

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Bence Peter als Interpret von Michael Jacksons „Bad“
Michael Jackson Double

Rekordverdächtiger Regelbruch: Bence Peter als Interpret von Michael Jackson

120 Beats in der Minute können das Metronom schon ganz schön in Schwung bringen. 765 Anschläge pro Minute würden auf Dauer vermutlich zum Kollaps führen. Ausgenommen, es ist Bence Peter, der in die Tasten haut – dann klingt sogar ein Guinnesswettbewerb, bei dem gemessen wird, wie oft in der Minute der Pianist eine Taste anschlagen kann, zumindest so ähnlich wie Musik, und dem Metronom bleibt ebenso wie dem Publikum nichts anderes übrig, als sich einfach mitreißen zu lassen. Unbekanntes Ausnahmetalent mit großer Online-Fangemeinde.

Mit gerade mal 24 Jahren (geboren 1991) gilt der ungarische Pianist und Songwriter Bence Peter heute als großes Ausnahmetalent, das die Musikszene noch kräftig aufmischen und verändern wird. Und wenn Bence Peter Michael Jacksons Bad interpretiert, jenes Musikstück mit den 120 BPM, dann möchte sich schon heute manch einer vor Begeisterung „sofort den Laptop gegen den Kopf hämmern“, wie es Christian Brandes alias Schlecky Silberstein so treffend formulierte.

Dem deutschen Konzertpublikum ist Peter bisher noch wenig bekannt. Im Netz dagegen zählt er bereits als eine feste Größe, an der sich die Geister scheiden. Seine Videos werden vor allem aus den USA abgerufen (22 %), wo er studierte, aus Deutschland kommen etwa 5 % der Aufrufe. Rund 95.000 Fans hat er allein auf Facebook, seine rasante Piano-Version von Bad und Smooth Criminal wurde seit der Veröffentlichung zum 6. Todestag des legendären Popsängers (25.06.2015) auf YouTube über eine Million mal angeklickt. Das sind bis dato rund 10.000 Besucher täglich.

Fake oder Original – ist das hier die Frage?

Dass sich darunter nicht nur begeisterte Fans oder ernst zu nehmende Kritiker, sondern auch die üblichen Nörgler befinden, überrascht wohl kaum. Nervig allerdings sind solche Debatten, die sich letztlich nicht um die Musik, sondern einzig um die Aufnahme des Videos drehen. So wirft manch ein Neunmalkluger Bence Peter vor, er habe ein „Fake“ produziert, weil Harmonien erklingen, die er so nicht spiele. Da er aber den Eindruck erzeuge, dass es sich um eine Liveaufnahme handle, würden die Zuhörer getäuscht. Ebenso gut könnte man wohl jede Shakespeare-Aufführung als Fake bezeichnen, weil der aufkommende Sturm von einer Windmaschine produziert wird.

Geigenrebell am Piano: Ärgernis oder Genie?

Die echten Zuhörer dagegen bemerken rasch: Hier passiert etwas Neues. Ob es etwas skandalös Neues ist oder etwas fantastisch Neues, ist eine Geschmacksfrage. Klar ist: Hier bricht jemand nicht nur einen eher lächerlich anmutenden Guinnessrekord, sondern gleich auch noch alle Regelwerke. Denn Peter ist nicht nur der schnellste Pianist der Welt. Er ist auch einer, dessen Spiel Technik und Sinnlichkeit vereint. Eine junge, wilde Sinnlichkeit, die sich Welt und Musik ein wenig naiv, aber sehr bestimmt aneignet. Ein „Geigenrebell“ am Piano, dem wie einst David Garrett von den ehernen Musikkritikern das Prädikat „Softpornopopklassikjunkfood“ für seine Musik verliehen werden könnte. Denselben Kritikern, die noch stets den erotischen Liebestod sterben, sobald sie einen schmachtenden Tristanakkord vernehmen.

„Genie ist das Talent (Naturgabe), welches der Kunst die Regel gibt“, formulierte einst Kant. Gewiss hatte er dabei keinen Bence Peter vor Augen oder im Ohr. Dennoch: Wie Garrett hat Peter die Naturgabe, Menschen durch seine Musik zu begeistern. Ob er das ihm gegebene Genie dann vollständig umzusetzen weiß, ob er Regeln nicht nur brechen, sondern auch geben wird? Mit 24 hat man sicher noch Zeit genug, um sich und das eigene Talent zu beweisen.

Augen schließen und genießen

Was die Frage „Fake oder Original“ anbelangt, lassen wir daher am besten nicht Kant oder die Kritiker, sondern eine YouTube-Nutzerin antworten, die als tiffany mcdonald schreibt: „And if it is fake, where is the ORIGINAL recording? hmm I don't think you have an answer. Leave him alone, enjoy the music :).“ Auf gut Deutsch: „Und wenn es ein Fake ist, wo ist dann die Originalaufnahme? Hmm, ich denke, du hast keine Antwort. Lass ihn in Ruhe [eine Anspielung auf einen anderen Michael-Jackson-Song vom selben Album, in dem es um Vorurteile der Medien geht], genieße die Musik.“ Viel mehr können wir auch nicht raten. Hier geht es zum Video. Aber Vorsicht: Gänsehaut garantiert! Enjoy it!

Youtube: Michael Jackson - Bad (Piano Cover) - Bence Peter

 

(SWV)

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